MANUELSCHENK

Dimension

Thriller

"Ein postapokalyptischer Höllenritt"

Ein junger Mann erwacht mit dröhnenden Kopfschmerzen in einer Wohnung. Erinnern kann er sich nicht einmal an seinen eigenen Namen. Doch etwas stimmt nicht mit den Räumen, die eigentlich ein behagliches Zuhause widerspiegeln sollten. Die Zimmer sind verwüstet, sämtliche Möbel sind vergammelt oder zerstört. Es sieht aus, als wäre in den letzten zwanzig Jahren niemand mehr hier gewesen.
Auf der Straße erwartet ihn ein Bild der Verwüstung. Die ganze Stadt scheint verlassen und verfallen zu sein. Die Häuser sind mittlerweile Ruinen, als hätte ein jahrzehntelanger Krieg getobt. Überall liegen Trümmer und Überreste herum.
Verzweifelt und voller unbeantworteter Fragen macht er sich auf die Suche nach anderen Menschen und nach Antworten. Doch was er findet, hätte er besser niemals entdeckt.

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Kapitel 1: Erwachen

Seine Augen brannten wie Feuer, als der erschöpfte Mann sie öffnete. Er rieb sich mit beiden Händen die Augenlider und versuchte, sich aufzurichten. Die Schmerzen hielten ihn allerdings noch zurück. Als er sich bewegte, spürte er etwas in seinem Rücken. Er lag auf zerbrochenen Kleinteilen – es mochten Scherben oder Holzsplitter sein. Genau konnte er es durch sein T-Shirt nicht spüren. Sein Blick klärte sich langsam, und er erkannte einen kleinen Raum mit verschmutzten Wänden. Wo zur Hölle war er?
Er versuchte, sich auf die Seite zu drehen und bemerkte, dass er auf dem Boden lag. Der Untergrund schien nur aus Beton und Schmutz zu bestehen. Es gab nicht einmal einen Teppich. Ein merkwürdiges Gefühl beschlich ihn. Genau konnte er es nicht zuordnen. Es war eine Mischung aus Anspannung und Verwirrtheit, die er unmöglich präzise beschreiben konnte.
Der Mann setzte sich langsam auf und sah an sich herab. Er trug ein zerrissenes, braunes Shirt und eine abgewetzte, blaue Jeanshose. Seine Füße steckten in Turnschuhen, die schon bessere Tage gesehen hatten. Er hielt sich die Hände vor die Augen und starrte auf verschmutzte Finger. Abwechselnd ballte er die Hände zu Fäusten, als wolle er prüfen, ob sie noch seinen Befehlen gehorchen würden.
Der Blick, den er danach durch das kleine Zimmer warf, war mehr fragend als erstaunt. Der Raum, in dem er sich befand, war kaum sechs Quadratmeter groß. Tapetenfetzen hingen von den schmutzigen Wänden. Das spärliche Licht fiel durch den einzigen Eingang zu seiner Linken in das verdreckte Zimmer, in dem es nicht einmal ein Fenster gab.
Was genau war geschehen? Hatte er nach einer durchzechten Nacht in einer Abstellkammer seinen Rausch ausgeschlafen? Warum war es hier so verdreckt? Zu allem Übel roch es moderig und unangenehm. Gerüche, die er nicht zuordnen konnte, stiegen ihm in die Nase.
Unter schmerzerfülltem Stöhnen stemmte er sich auf wackeligen Beinen hoch. Seine verschmutzten Hände tasteten sich vorsichtig an der Wand entlang. Als er die geöffnete und halb verrottete Tür erreichte, sah er in einen fast zwanzig Quadratmeter großen Raum, der zu einem Apartment zu gehören schien. Genau konnte er das aber nicht erkennen, weil er in eine Wohnung blickte, die verkommener kaum hätte sein können. Überall lag zerbrochenes Mobiliar. Mehrere zersplitterte Holzstühle lagen um einen Tisch verstreut, der sich nur noch auf zwei Beinen hielt und sich in einem Fünfundvierziggradwinkel in Richtung Boden neigte. Bilder hingen nicht mehr an den Wänden, sondern lagen zerbrochen auf den moderigen Holzdielen. Zu ihnen gesellten sich Splitter von Vasen und Porzellan.
Auf der rechten Seite befand sich eine offene Küche, die durch eine gemauerte Theke vom Rest des Apartments abgetrennt war. Die Küchenschränke waren einmal mit weißem Furnier verkleidet gewesen, zumindest schätzte er die Fronten so ein. Jetzt war kaum noch etwas davon zu erkennen. Die Elektrogeräte, bestehend aus Herd, großem Kühlschrank und einer Mikrowelle, waren so stark verrostet, als hätten sie wochenlang unter Wasser gelegen. Die zum Teil gebrochenen Fliesen waren übersät mit Porzellansplittern und vergammelten Essensresten.
Ein Erdbeben schien hier gewütet zu haben. Aber warum war alles so vergammelt und alt? Zumindest wirkte es so auf ihn, aber was wusste er schon.
Ja genau. Was wusste er denn schon? Einen Moment hielt er inne und versuchte, sich an irgendein Ereignis zu erinnern. Doch es wollte ihm nicht gelingen. Er grübelte weiter, während er im Türrahmen stand und versuchte, sich an seinen Namen zu erinnern. Wie zum Teufel hieß er eigentlich?
"Hallo?", brachte er etwas ängstlich und unsicher hervor.
"Ist hier jemand?"
Stille.
Vorsichtig ging er ein paar Schritte in den ehemals vermutlich schönen Wohnbereich hinein. Unter den Sohlen seiner Turnschuhe knackte es. Jeder Schritt brachte neue Geräusche mit sich, die die Stille unangenehm unterbrachen. Nach ein paar Schritten erreichte er die Mitte des Raumes und sah sich um. Jetzt konnte er hinter einer Ecke, die ursprünglich mit einem Vorhang versehen gewesen war, eine Schlafnische entdecken, in der ein Metallbett mit einer löchrigen, alten Matratze lag. Der Vorhang selbst lag zerrissen auf dem dreckigen Boden. Links neben der Schlafnische gab eine Tür, die aus den Angeln gerissen worden war, den Blick auf ein kleines Badezimmer frei, das alles andere als einladend aussah. Es war ein kleines Wunder, dass das Waschbecken noch an Ort und Stelle hing.
Kurzerhand entschloss er sich, das Badezimmer zu betreten. Der Fäkalgeruch erleichterte ihm diese Entscheidung nicht gerade, aber er wollte unbedingt in den Spiegel sehen. Zu seinem Erstaunen war vom Spiegel zwar eine Stelle abgebrochen, aber der größte Teil hing – wenn auch verdreckt – über dem Waschbecken. Über die stinkende Kloschüssel ohne Sitz und die rostige Metallbadewanne versuchte er, so gut es ging, hinwegzusehen.
Der Blick in den verschmierten Spiegel ließ seinen Puls hochschnellen. Er sah einen Mann von vielleicht dreißig Jahren, mit kurzen, dunklen und etwas zotteligen Haaren. Das Gesicht war verschmutzt und mit tiefen Falten durchzogen und einem Grübchen am Kinn versehen. Zu seiner Erleichterung kam es ihm wenigstens bekannt vor. Nicht, dass es ihn verwundert hätte, aber er kannte schließlich immer noch keinen Namen zu dem Gesicht im Spiegel. Warum konnte er sich nur an nichts erinnern?
Sicherlich würden die Erinnerungen nach und nach wiederkommen. Zumindest versuchte er, sich das einzureden, um sich zu beruhigen. Gelingen wollte es ihm nicht. Zu groß war das Fragezeichen, das in seiner Vorstellung auf seiner eigenen Stirn erschien.
Er schüttelte die Gedanken ab und blickte sich im Bad nach etwas Nützlichem um. Aber was könnte in all diesem Dreck noch zu gebrauchen sein? In einem kleinen Badezimmerschränkchen entdeckte er moderig riechende Handtücher und einen verrosteten Rasierapparat. Angeekelt von der widerlichen Geruchskomposition betrat er wieder den einstigen Wohnbereich und durchsuchte den Schutt, der sich über den gesamten Boden verteilte. Eigentlich verwendete er dazu hauptsächlich seine Schuhe, mit denen er Müll zur Seite trat, um darunter vielleicht etwas Interessantes zu entdecken. Nachdem er zerbrochenes Geschirr, vergammelte Bücher und unzählige Bruchstücke des Mobiliars gefunden hatte, entdeckte er zwischen ein paar alten Büchern einen kleinen Bilderrahmen. Er war, wie alles andere in dieser Wohnung, zerbrochen und enthielt das alte, verblasste Foto einer jungen Frau. Nachdem er die Glassplitter entfernt hatte, entnahm er vorsichtig das Bild. Die Frau auf dem Bild war ungefähr Mitte zwanzig, mittelblond, schlank und lächelte in die Kamera. Sie saß, gekleidet in eine Allwetterjacke, auf einem Felsen. Im Hintergrund konnte man die Brandung erkennen, wodurch es den Anschein hatte, dass es sich um ein Urlaubsfoto handeln musste. Die junge und durchaus attraktive Frau wirkte glücklich. Ihr Lächeln schien, obwohl extra für dieses Foto in Szene gesetzt, keinesfalls künstlich.
Nachdem er das Bild eine geraume Zeit angestarrt hatte, drehte er es um. Auf der Rückseite stand mit Kugelschreiber „Für Theo“ in geschwungenen Lettern geschrieben, umrandet von einem Herz.
Das brachte ihn ins Grübeln. Wenn dies hier seine Wohnung war, war er dann dieser Theo? Wenn ja, wer war die Frau auf dem Bild? Er beschloss, das verblasste Foto zu behalten, faltete es und steckte es in seine rechte Hosentasche.
In einem großen Kleiderschrank, dessen Scharniere nicht mehr wirklich gut zusammenhielten, entdeckte er noch brauchbare Kleidungsstücke. Er konnte einen dunkelblauen Pullover und eine einfache, schwarze Jacke ergattern, welche beide nicht so gammelig rochen wie der klägliche Rest. Er tauschte sein dreckiges Shirt gegen den Pullover aus und streifte die Jacke über.
Ob er selbst dieser Theo war oder nicht, beschäftige ihn. Er wollte unbedingt mehr über seine Identität in Erfahrung bringen und versuchte, in dem ganzen Chaos etwas zu entdecken, was ihm bekannt vorkam oder ihm Aufschluss über seinen Namen gab. Zuerst durchwühlte er die Schubläden der vermoderten Komoden. Hier musste doch ein Foto von ihm oder ein Ausweis zu finden sein. Den Gestank, der ihm beim Öffnen diverser Schränke entgegen kam, versuchte er so gut es ging zu ignorieren. Zwischen vergammelter Kleidung, diversen Haushaltsgegenständen und verrosteten Elektrogeräten fand er nicht einen einzigen Brief oder sonst irgendein Schriftstück. Auch weitere Fotos gab es nicht, wenn man von ein paar halb verbrannten Landschaftsaufnahmen absah. Er vermutete, dass diese Aufnahmen aus einem Urlaub stammten. Vielleicht hatte er sie selbst geschossen. Sicher war es sich jedenfalls nicht. Aber fürs Erste gab er sich den Namen Theo. Der Grund für seine Entscheidung war simpel: Er kannte keinen anderen.
Trotzdem musste es hier andere Menschen geben, die ihm sagen konnten, wer er eigentlich war. Dass er da nicht früher drauf gekommen war, verwunderte ihn ein wenig. Die Fensterscheiben waren zwar intakt, allerdings sehr verdreckt, sodass er nur schemenhaft die Umrisse anderer Gebäude ausmachen konnte. Theo versuchte ein Fenster zu öffnen, es klemmte, als wäre es ein ganzes Jahrhundert nicht mehr geöffnet worden.
Die massive Wohnungstür war äußerst schwergängig jedoch unverschlossen. Mit einem lauten Knarren gab sie nach und gestattete ihm einen Blick in das Treppenhaus. Hier sah es noch sehr viel schlimmer aus, auch wenn Theo nicht gedacht hätte, dass dies möglich wäre. Der Weg nach unten war durch Trümmer und eine halbzerstörte Treppe versperrt. Zumindest hätte er sich seiner Meinung nach beim Sprung von der letzten intakten Stufe sicherlich den Fuß verstaucht, wenn nicht sogar gebrochen.
Die Trümmerteile auf dem Boden gehörten zu der Außenwand, die ein zwei Meter großes Loch drei Armlängen über ihm und somit außerhalb seiner Reichweite aufwies. Durch das Loch sah er die Wolkendecke und das dämmerige Licht des Morgenhimmels. Oder war die Sonne im Begriff unterzugehen? Das war für ihn schwer zu sagen. Er musste unbedingt nach draußen, um sich zu orientieren. Die Treppe des heruntergekommenen Hausflurs, der übersät war von Trümmern und Müll, ließ ihm nur noch eine Möglichkeit, das Gebäude zu verlassen: nach oben. Theo stieg die Stufen empor, um den Himmel besser sehen zu können. Er musste doch irgendwie auf das Dach gelangen. Je höher er kam, desto dankbarer war er dafür, die Jacke gefunden zu haben. Es wurde langsam immer kühler. Als er das übernächste Stockwerk erreichte, erschrak er. Das Dach des Gebäudes fehlte komplett. Nur einige Trümmerreste der Außenwände und Bruchstücke diverser Möbel zeugten von einer ehemals dort vorhandenen Wohnung. Überall klafften Löcher im verdreckten Boden, durch die man ab und zu ein paar morsche Holzbalken erblicken konnte. Zwischenwände, die die einzelnen Räume abgegrenzt hatten, waren mehr angedeutet als tatsächlich vorhanden.
Der Himmel über Theo war bewölkt und dämmerig. Die Sonne schien sich noch hinter dem Horizont zu verbergen oder schon verborgen zu haben. Ihm fehlte das Zeitgefühl, sodass er nicht sagen konnte, ob es früh oder spät war - von Wochentag oder Datum ganz zu schweigen.
Theo ging ein paar Schritte auf die Außenfassade der fast vollständig zerstörten Etage zu und blieb kaum eine Handbreit vor dem Abgrund stehen. Sein Puls schlug ihm bis zum Hals. Er sah nach unten und erblickte den Bordstein und die verschmutzte Straße, die mehrere Stockwerke unter ihm lag. Überall lagen Müll, Scherben und Trümmer herum. Autowracks reihten sich dicht an dicht. Teilweise waren sie ausgebrannt oder wie durch einen schweren Unfall beschädigt worden. Kaum ein PKW wirkte auch nur ansatzweise fahrtüchtig. Wenn man von oben die Straße entlangblickte, erschien einem dieses Bild fast wie eine Massenkarambolage. Theo schaute von der Straße unter ihm hinauf zu den Gebäuden auf der gegenüberliegenden Seite. Sehr wenige Fensterscheiben der bröckelnden Fassaden waren noch in einem Stück. Die meisten waren zersplittert. Wie auch das Haus, indem Theo sich befand, waren die übrigen Gebäude teilweise zertrümmert oder eingestürzt. Mit geöffnetem Mund und weit aufgerissenen Augen versuchte er, die Szenerie zu erfassen. Zusammen mit dem dämmerigen Himmel bot sich ihm das gespenstische Bild einer zerstörten Stadt. So weit sein Auge reichte, entdeckte er Zerstörung, als wäre er inmitten eines gewaltigen Kriegsschauplatzes erwacht. Aber vielleicht war er das. Vielleicht hatte es einen Angriff oder eine schwere Explosion gegeben, woraufhin er einen Schock erlitten und sein Gedächtnis verloren hatte. Aber wenn hier vor Kurzem ein Angriff stattgefunden hatte, warum war es so unglaublich still? Er vernahm weder Sirenen, noch Schreie, noch erblickte er lodernde Feuer. Keine Rauchschwaden stiegen am Horizont auf. Nichts zeugte von irgendeiner Aktivität. Diese unheimliche Grabesstille bereitete Theo am meisten Unbehagen. Seine Gedanken kreisten wie wild um das Unfassbare, was sich hier ereignet haben musste.