MANUELSCHENK

Totenwächter

Thriller

"Ein eiskalter Mystery-Thriller"

Mark Heinrich erwacht nach einem Autounfall im Krankenhaus ohne jegliche Erinnerung an den Unfall selbst. Die Ärzte halten ihn für suizidgefährdet, weil seine Ehefrau Viktoria ein Jahr zuvor bei einem ähnlichen Unfall ums Leben kam. Als Mark wieder aus dem Krankenhaus entlassen wird, sucht ihn ein seltsamer Mann auf, der mit Mark über dessen Nahtoderfahrungen sprechen will. Nach und nach hat er merkwürdige Alpträume und Visionen, die er nicht zuordnen kann. Zudem erhält er einen Brief, der erst wenige Tage zuvor aus dem Heimatdorf seiner verstorbenen Frau abgeschickt wurde ... von Viktoria.

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Leseprobe

Auszug aus Kapitel 9

Mark verschwand im Badezimmer und gönnte sich eine Dusche. Die war aufgrund des schweißtreibenden Alptraumes auch bitter nötig. Nachdem er sich frisch gemacht hatte, entschloss er sich, unten ein Frühstück zu bestellen. Ein deftiges Frühstück mit Eiern und Wurst wäre jetzt genau das Richtige, um den Tag zu beginnen.
In frischer Kleidung begab er sich nach unten und schritt erstaunlich gut gelaunt durch das Foyer ins Restaurant. Er wollte sich an den gleichen Tisch setzen wie gestern, als er kurz innehielt. Mark war nicht der Einzige, der an diesem Samstagmorgen hier sein Frühstück einnahm. Das allein hätte seine Laune sicherlich nicht getrübt. Allerdings kannte er zu seinem Leidwesen den anderen Gast, der sich fröhlich über sein Frühstücksei beugte und zwischendurch zur Kaffeetasse griff. Es war der merkwürdige Lehrer, Harald Kuhlmann.
Mark starrte Kuhlmann einen Augenblick fassungslos an. Der Lehrer hob den Kopf und erkannte Mark. Ein breites Lächeln überzog sein Gesicht.
"Guten Morgen, Herr Heinrich", grüßte Kuhlmann ausgesprochen freundlich.
In Mark stieg blanke Wut auf. Er ging entschlossen zum Tisch des Lehrers hinüber und packte den Pädagogen am Kragen. Kuhlmann stieß erschrocken seine Kaffeetasse um. Zu seinem Glück war nicht mehr viel Kaffee darin. Die Tischdecke sog den kläglichen Rest auf.
"Was zur Hölle wollen Sie hier?", zischte Mark und bemühte sich, nicht die Belegschaft des Hotels auf ihn aufmerksam werden zu lassen.
"Was soll das? Ich weiß nicht, was Sie meinen, Herr Heinrich", entgegnete der Lehrer mit erschrockenen aufgerissenen Augen hinter seiner randlosen Brille.
"Lügen Sie mich ja nicht an! Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass wir uns hier rein zufällig treffen, oder?", schnaubte Mark vor Wut.
"Nein, nein. Lassen Sie mich das bitte erklären. Ich wollte mich nur mit Ihnen unterhalten. Mehr nicht."
Mark nahm seine Hände vom Rollkragenpullover des Pädagogen, starrte ihn aber weiter wutentbrannt an. Sein Blick verlangte wortlos eine Erklärung.
"Ich bin nicht nur Ihretwegen hier. Im Dorf gibt es eine der ältesten Bibliotheken in Privatbesitz. Dort soll es ganz ausgezeichnete Bücher über Okkultismus geben. Ich bin ganz zufällig darauf gestoßen, als ich hörte, wo Ihre Frau aufgewachsen ist. Glauben Sie mir, Herr Heinrich, ich will Sie keinesfalls belästigen", versicherte Kuhlmann mit einem entschuldigenden Dackelblick.
Mark atmete tief ein und versuchte sich zu beruhigen.
"Setzen Sie sich doch bitte. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir Gesellschaft leisten würden", Kuhlmann deutete auf den freien Platz gegenüber.
Nach einer kurzen Bedenkpause setzte sich Mark mehr aus Höflichkeit an den gleichen Tisch. Nachdem er sich gesetzt hatte, bemerkte er, dass Herr Brandt bereits an den Tisch getreten war. Er hatte wohl von den Streitigkeiten Wind bekommen. Mark war diese Situation ein wenig peinlich. Herr Brandt sah beide abwechselnd mit fragendem Blick an.
"Herr Heinrich möchte ebenfalls frühstücken", sagte Kuhlmann um die Situation aufzulockern.
Mark nickte nur knapp.
Als Herr Brandt die umgestürzte Kaffeetasse sah, folgte Kuhlmann seinem Blick.
"Oh. Für mich bitte noch einen Kaffee. Ich war leider etwas ungeschickt", lachte Kuhlmann unsicher und stellte die umgeworfene Tasse wieder auf.
Der Wirt verschwand in der Küche, ohne den fragenden Gesichtsausdruck zu verlieren.
"Ich hoffe, Sie empfinden mich nicht als zu aufdringlich", begann Kuhlmann nach einer Pause.
"Nun, eigentlich schon. Das Auflauern an meiner Wohnungstür hatte mir schon gereicht", entgegnete Mark nur knapp. Er war immer noch gereizt. Zudem hatte er mittlerweile recht großen Hunger.
"Wissen Sie, ich bin eben ein Fan von Okkultismus und übernatürlichen Dingen. Vielleicht werden Sie jetzt sagen, dass ich als Kind zu viele schlechte Filme gesehen habe, aber das macht nichts."
"Ehrlich gesagt ist mir das so ziemlich egal."
Kuhlmann schaute Mark ein wenig verdutzt an.
"Ein Teil davon hat sicherlich mit meinem Beruf als Lehrer zu tun. Wenn man Geschichte unterrichtet, kommt man zwangsläufig mit Sagen und Legenden in Berührung", sagte er schließlich.
"War da nicht noch ein anderes Fach? Erdkunde oder so?"
"Kunst", entgegnete Kuhlmann empört.
"Von mir aus. Dann eben Kunst. Lassen Sie mich raten: Im Kunstunterricht kommt man zwangsläufig mit Bildern von Sagen und Legenden in Berührung", spottete Mark vergnügt.
Noch bevor Kuhlmann protestieren konnte, erschien Herr Brandt mit einem neuen Gedeck für Mark und einer Kanne Kaffee, aus der er beiden einschenkte und sie dann auf ihrem Tisch stehen ließ.
"Sie mögen mich nicht sonderlich, Herr Heinrich", stellte Kuhlmann fest.
"Sagen wir einfach; bisher hat sich keine Gelegenheit ergeben Sie zu mögen, Herr Kuhlmann", zischte Mark.
Kurz darauf brachte der Wirt auch noch Wurst, Käse und mehrere Scheiben Brot an den Tisch, sodass Mark ebenfalls mit dem Frühstück beginnen konnte.
"Können Sie mir das denn verdenken? Sie lauern mir an meiner Wohnung auf, belästigen mich, spionieren mir nach und folgen mir hierher. Würden Sie so jemanden mögen?"
"Ich bin Ihnen nicht gefolgt. Ich bin schon heute Morgen angekommen", protestierte der Lehrer.
"Oh, dann gehört Ihnen wohl der alte Opel vor der Tür?"
"Ganz recht", grinste Kuhlmann stolz. "Der Wagen hat mir lange sehr treue Dienste geleistet."
"Großartig", Marks Zynismus und Desinteresse war nicht zu überhören. Er griff nach einer Scheibe Brot, schmierte sich Butter darauf und belegte sie mit einer Scheibe Gouda. Ein kräftiger Bissen beruhigte ihn etwas. Ein Teil seiner Aggression gegen den nervtötenden Pädagogen beruhte sicherlich auf seinem Hunger. Die beiden Männer schwiegen eine Weile, während Herr Brandt auch noch ein paar frische Frühstückseier an den Tisch brachte.
"Wenn Sie noch etwas benötigen, rufen Sie einfach. Ich bin in der Küche", sagte Herr Brandt und verschwand wieder.
"Danke sehr. Ganz köstlich!", strahlte Kuhlmann in seiner überaus freundlichen Art. Mark fragte sich, ob die Schüler ihm auf der Nase herumtanzten. Mit diesem Gemüt bot er doch sicherlich eine Angriffsfläche für diverse Bosheiten der heutigen Schüler.
"Ich gehe mal davon aus, dass Sie mir keine Fragen zu Ihren Nahtoderfahrungen beantworten werden, richtig?", fragte der Lehrer vorsichtig.
"Nicht wirklich. Zumal es keine besonderen Erfahrungen gab."
Kuhlmann verschluckte sich fast an einem Brotkrümel und hustete.
"Wirklich nicht?", fragte er mit weit aufgerissenen Augen.
"Nein, wirklich nicht", entgegnete Mark trocken. "Ich wachte ganz ohne Erinnerungen an den Unfall im Krankenhaus auf. Ende der Geschichte."
"Und das hätten Sie mir nicht einfach an Ihrer Haustür sagen können?", Kuhlmann war etwas empört.
Mark warf dem Pädagogen einen extrem bösen Blick zu und wollte schon tief Luft holen, um Kuhlmann seine Meinung zu sagen, als dieser ihn mit einer beschwichtigenden Geste beruhigte.
"Ist schon in Ordnung, Herr Heinrich. Ich habe verstanden."
Mark kaute wieder an seinem Käsebrot herum und spülte den Rest mit einem Schluck Kaffee herunter.
Nach einer kurzen, gefräßigen Stille ergriff Kuhlmann wieder das Wort.
"Ich werde heute jedenfalls der kleinen Bibliothek von Herrn Schulze einen Besuch abstatten. Ich habe Block und Stift dabei, um mir Notizen zu den okkulten Texten zu machen. Das wird bestimmt sehr interessant", berichtete er.
Mark interessierten die okkulten Texte in den Büchern noch weniger als das Geschwätz des Lehrers.
"Schreiben Sie ein Buch darüber?", fragte Mark plötzlich.
"Oh ja", strahlte Kuhlmann aufgrund des aufkeimenden Interesses. "Ich möchte eine eigene Abhandlung über diverse Kulte und Teufelsanbeter verfassen. Das wird eine Art wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen alten Texten. Möchten Sie später ein signiertes Exemplar davon?"
"Hm, warum nicht. Wie dick wird denn das Buch?"
"Weiß ich noch nicht genau. Zwei- bis dreihundert Seiten bestimmt. Wieso?"
"Mein Küchentisch wackelt ein wenig. Da würde Ihr Buch sicher gut drunter passen", grinste Mark hämisch. Er genoss den Gesichtsausdruck Kuhlmanns, der in Sekundenbruchteilen von Begeisterung zu Enttäuschung wechselte. Für einen Moment sagte keiner von ihnen ein Wort. Mark hatte schon fast ein schlechtes Gewissen, weil er nicht genau wusste, ob er mit seinem Scherz nicht doch zu weit gegangen war.
Als Kuhlmann mit dem Frühstück fertig war, erhob er sich vom Tisch.
"Ich werde mich dann mal in die Arbeit stürzen. Bis bald, Herr Heinrich", lächelte Kuhlmann und verließ den Speisesaal.
"Ich kann es kaum erwarten", flüsterte Mark ihm hinterher, ohne dass Kuhlmann es hören konnte.
Nachdem Mark wenige Minuten später mit dem Frühstück fertig war, begab er sich in sein Zimmer, holte seine Jacke und verließ das Hotel. Er hatte noch einiges für heute eingeplant, aber ein Besuch der Bibliothek gehörte nicht dazu.